Ein illustriertes Leben mit Kaktus und Co. – Folge 7 – Sommer

 

Der Ventilator summt vor sich hin und ich versuche auf meinem Grafiktablett neue Illustrationen für ein Buchprojekt zu zeichnen. Was sich jedoch bei der Hitze als recht schwierig erweist, denn ich bleibe immer wieder mit der Hand auf dem Zeichentablett. Ich liebe den Sommer, aber bei den Temperaturen zu arbeiten, ist dann doch eine Herausforderung. Ich seufze laut, als Mats mit einem Satz neben mir auf den Schreibtisch spring. Eigentlich würde ich kurz zusammenzucken, aber erstens bin ich es gewöhnt, dass dieses Eichhörnchen auf meinem Schreibtisch herumturnt, zweites ist es mir eindeutig zu heiß für jeglich schnelle Regung. Kurz darauf hüpfen auch noch meine zwei Kakteen Konrad und Knubbel in mein Sichtfeld und wie nicht anders zu erwarten: Eckbert seilt sich von oben ab und hängt nun neben dem Bildschirm. Meine Schreibtischbande ist wieder mal komplett und ich frage mich, was sie wieder vor haben, denn wenn sie zusammen auftauchen, hat das meistens etwas zu bedeuten. „Können wir mal eben ins Internet?“, fragt Knubbel. Mich fragt gerade ein Kaktus, ob er ins Internet darf.

 

 

Konrad hält eine Liste hoch und liest vor:“Wir brauchen: Ein Planschbecken, vier Badeshorts und vier Sonnenhüte.“
„Ihr braucht ein Planschbecken, vier Badeshorts und vier Sonnenhüte?“, frage ich nur noch einmal zur Sicherheit nach. „Ja, rede ich undeutlich? Uns ist es hier zu heiß und wir wollen draußen im Garten Urlaub machen“, entgegnet mir Konrad so, als wäre es das Normalste auf der Welt, wenn zwei Kakteen, ein Eichhörnchen und eine Spinne einfach mal im Internet shoppen gehen wollen. „Leute, WO wollt ihr denn z. B. eine Badehorts für Eichhörnchen oder eine Spinne herbekommen und ein Planschbecken ist für euch (ich schaue Konrad und Knubbel an) auch nicht soooo ideal, oder?“, gebe ich zu bedenken.
„Im Internet gibt es doch alles!“, sagt Mats daraufhin. Eigentlich hat er ja recht, nur ob es im Internet wirklich Badeshorts für Kakteen und Eichhörnchen gibt, wage ich dann doch zu bezweifeln. Da es mir gerade aber auch eindeutig zu heiß an meinem Grafiktablett ist und ich eine Abkühlung brauche, überlasse ich den Vieren meinen PC und verziehe mich auf die Terrasse um mir einen Eiskaffee zu gönnen. Meinetwegen können sie sich ein kleines Babyplanschbecken aussuchen, was ich ihnen dann kaufen werde.

 

Abkühlung

 

Der Eiskaffee erweist sich als echte Wohltat und beschließe erst gegen Abend wieder an den Schreibtisch zu wechseln, vielleicht ist es dann dort etwas kühler. Ich genieße die Auszeit auf der Terrasse. Irgendwann kommt die Viererbande nach draußen und versammelt sich am Ende meiner Sonnenliege. Sie sagen erst einmal nichts, sondern schauen mit großen Augen an. Oh oh! Den Blick kenne ich! „Habt ihr etwas gefunden?“, frage ich. Alle vier nicken und lächeln. „Gefunden und direkt gekauft!“, sagt Mats. Leichte Panik überkommt mich und in meinem Gedanken sehe ich die Vier im Kaufrausch vor meinem PC hocken. „Leute sagt mir jetzt nicht, dass ihr meine Kreditkarte benutzt habt und ich nun pleite bin?“, frage ich mit leicht piepsiger Stimme.
„Neeeeeeeeeeeee! Du musst nur 25,99 Euro zahlen!

Außerdem haben wir auf Rechnung gekauft.“, sagt Mats direkt. Ich bin erleichtert und und mein Puls normalisiert sich wieder. „Ach so, na daaaaaaann!“, sage ich gespielt erleichtert und frage mich gleichzeitig, ob Eichhörnchen eigentlich geschäftsfähig ist und ob es schon kriminell ist, wenn es im Namen einer anderen Person einkauft? „Wir haben nur ein kleines Problem!“, fügt Knubbel dann hinzu. Ich horche auf und hoffe, dass sie nicht irgendwelche Waren aus Übersee einfliegen lassen. „Welches?“, frage ich. „Wir haben alles bekommen, nur es gab keine Schwimmshorts für uns! Nirgendwo!“, erklärt mir Knubbel leicht fassungslos. „Und deswegen haben wir nun Stoff bestellt und jetzt brauchen wir jemanden, der uns Shorts näht.“ Wieso weiß ich jetzt schon, wer diese Shorts nähen soll?

„Selbst entworfen!“

„Aber wir haben zumindest schon Schnittmuster!“, fügt er noch hinzu. „Woher?“, frage ich verdutzt. „Selbst entworfen!“, sagen alle im Chor und strahlen mich an. „Kannst du uns Schwimmshorts nähen? Bitte, bitte, bittteeeeeeeeee!“, schallt es direkt hinterher. Ich seufze und lasse mir dann die „Schnittmuster“ zeigen, die sich eher als Buntstiftzeichnungen von ihren Wunschshorts entpuppen. Alle vier erklären mir, wie sie ihre Shorts gerne hätten, wobei unser kleiner stummer Spinnenfreund nur mit seinen Ärmchen auf das Bild der Zeichnung seiner Badeshorts zeigt. Ehrlich gesagt haben die Entwürfe nicht wirklich etwas mit echten Schwimmshorts zu tun, aber egal, bei dem Engagement, dass die kleine Band zeigt, lasse ich mich erweichen und verspreche ihnen ihre „Schwimmshorts“ zu nähen. Jedenfalls sobald der Stoff da ist …

Das große Warten

 

Die nächsten Tage hocken die Vier ständig am Fenster und man hört immer wieder ein Raunen, wenn der Paketdienst vor der Türe hält. Das ist lustig, so viel Ruhe hatte ich beim Arbeiten noch nie. Keiner quatscht dazwischen oder fragt irgendwelche Sachen. Es dauert dann noch etwas, aber dann ist das Paket inklusive Stoff da und ich begebe mich an die Nähmaschine. Mats Schwimmshorts ist einfach genäht, den Kakteen nähe ich eher kleine Beutel zum Hineinschlüpfen, denn so ein Kaktus hat halt keine Füße. Sie finden sie aber trotzdem okay. Die „Schwimmshorts“ für Eckbert ist kniffeliger, aber irgendwann haben ich es geschafft so etwas wie eine Hose in Miniaturformat hinzubekommen. Nachdem die „Schwimmsachen“ fertig sind, halten es die Vier nicht mehr aus und wollen nun endlich nach draußen.

 

„Juhu! Urlaub“

 

Wir bauen ihr kleines Planschbecken (das zum Glück aus festem Plastik besteht) auf und alle hüpfen (außer Eckbert, der setzt sich nur auf den Rand) ins Planschbecken. „Juhu! Urlaub“, kreischen Mats und Knubbel und hüpfen im Planschbecken umher. Konrad und Eckbert schauen sich still das turbulente Treiben an, ganz geheuer ist ihnen diese Planscherei anscheinend nicht.

„Urlaub wäre jetzt auch ganz schön“, denke ich, aber dann hole ich meinen Skizzenblock. Ich mache es mir neben dem Planschbecken auf einer Decke gemütlich. Urlaub steht zwar noch nicht an, aber heute verlege ich meinen Arbeitsplatz einfach mal in den Garten, das ist fast schon wie Urlaub, da haben die Vier schon recht.

Hallo! Ich bin Ilka und ich gestalte mit Leidenschaft kunterbunte Illustrationen für Verlage, Firmen und Werbekunden. In meiner Blogserie „Ein illustrieres Leben mit Kaktus und Co.“, erzähle ich über lustige Dinge aus meinem Illustratorenalltag. Immer dabei meine kleine verrückte Schreibtischbande.

Ilka – Illustratorin  
Knubbel und Konrad – Das lustige Kakteengespann
Mats – Mein munteres Eichörnchen
Eckbert – Unser stiller, aber liebenswürder Spinnenfreund

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