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Ein illustriertes Leben mit Kaktus und Co. – Folge 6 – Der Literaturkreis

Auch wenn ich die meisten Illustrationen nun mittlerweile digital zeichne, drucke ich mir die Illustrationen immer mal wieder aus, während ich an einem Buchprojekt arbeite. Einfach um die Größe und auch den Gesamteindruck besser abschätzen zu können, denn manchmal sieht man das am PC einfach nicht so genau wie ausgedruckt. Ich habe meine Illustrationen also meistens schon mal auf Papier gesehen. Trotzdem ist es immer ein ganz anderes Gefühl, die eigenen Illustrationen in einem fertigen Buch in Händen zu halten. Dieser erste Blick auf das fertige Buch, an dem man Wochen, teilweise Monate gearbeitet hat, hat irgendwie einen eigenen Zauber.

Deswegen LIEBE ich Post mit Belegexemplaren. Vor ein paar Tagen kam mal wieder solch ein wunderbares Päckchen an und ich weiß, dass ich die Bücher auf meinem Schreibtisch gelegt hatte. Die Frage ist nur, wo befinden sie sich jetzt?

 

„Ich wühle unter einem Stapel Skizzen und Büchern, aber die Bücher, die ich suche, sind nirgendwo zu finden. Ich frage mich, ob ich mit 37 nun schon so vergesslich bin, dass ich sie doch irgendwo anders hingelegt habe? Eigentlich kann das aber nicht sein, denn wenn ich zwar mitunter teilweise leicht chaotisch bin, großartig vergesslich bin ich noch nicht. Infolgedessen bleibt eigentlich nur noch eine Lösung, wer die Bücher von meinem Schreibtisch stibitzt haben könnte!

„Leeeute, habt Ihr vielleicht meine Belegexemplare gesehen?“, rufe ich durch die Wohnung, weil keiner von ihnen in Sichtweite ist. Mit „Leute“ meine ich meine kleine Schreibtischbande: Mats, mein Eichhörnchen; Knubbel und Konrad, das herrlich kuriose Kakteengespann und Eckbert unser stummer Spinnenfreund. Auf mein Rufen kommt jedoch keine Antwort. Daher trete ich den Weg in die vorderen Räume meiner Wohnung an nund versuche ich es noch einmal:“Wo seid ihr denn alle?“

Ruhe bitte!

„Ruhe bitte!“, zischt es samt „Psssst“-Lauten aus dem Wohnzimmer, worauf ein undefinierbares Gemurmel folgt.

Ich betrete das Wohnzimmer, denn ich will wissen, was meine kleine Bande da nun wieder treibt. Doch sie sitzen ganz entspannt zusammen in einem Halbkreis auf dem Boden. Anscheinend habe ich die vier zu Unrecht verdächtigt.

Dann fällt mein Blick auf ein Schild, das vor ihnen steht: „Ruhe bitte! Der Literaturkreis tagt!“

Ich merke wie sich meine Stirn vor Verwunderung mal wieder kräusel. „Leute, was macht …“, setze ich an, komme aber nicht weit mit meiner Frage, denn da zischen mir schon wieder „Psssst“-Geräusche entgegen. Davon lasse ich mich aber nicht weiter abhalten und frage trotzdem noch einmal:“Leute, was macht ihr hier? Und ihr alle so komische „Brillen“ auf?“

Vier Augenpaare mit, anscheinend aus Strohhalmen selbst gebastelten, Brillen richten den Blick auf mich und Konrad erklärt in einem leicht genervten Tonfall:“Wir halten hier unseren neu gegründeten Literaturkreis ab und besprechen Bücher!“ Eckbert deutet mit einem seiner Spinnebeinchen auf das Schild. „Kann man doch am Schild klar erkennen, oder?“, sagt Konrad und fügt dann hinzu:“Die Brillen haben wir an, weil gebildete Leute immer Brillen an haben!“.

Ich sehe, dass Mats ein Malbuch in Händen hält (eines meiner gesuchten Belegexemplare) und dieses anscheinend von ihnen besprochen wird. „Ähä“, sage ich dann nur, weil mir dazu momentan wirklich nichts einfällt. Da sitzen zwei Kateen mit einem Eichhörnchen und einer Spinne im Kreis, haben Strohhalmbrillen auf und besprechen ein Malbuch!

WIE kommen die immer auf solche Ideen?

„Ähm ja. Nur ihr besprecht da gerade ein Malbuch, oder?“

“Als langjährige Mitbewohner einer Illustratorin haben wir gedacht, wir müssen uns dem Thema Literatur mal etwas ausgiebiger widmen und deswegen haben wir diesen Literaturkreis gegründet. Ist doch super, oder?“, erklärt Mats noch einmal begeistert. „Ähm ja. Nur ihr besprecht da gerade ein Malbuch, oder?“, frage ich und hoffe, sie merken selber, dass das etwas absurd ist.

„Genau! Und wir haben nun schon ausgiebig über die Aufmachung und die Gesamtgestaltung diskutiert und wollten nun den Inhalt weiter besprechen!“, fügt Knubbel in einem so ernsten Ton hinzu, dass ich mir noch jeglichen weiteren kritischen Kommentar verkneife.

„Okay, dann störe ich euch mal nicht weiter. Bringt ihr dann meine Belegexemplare nach eurem Literaturkreis wieder zurück auf meinen Schreibtisch?“, frage ich nur noch. „Natürlich!“, sagt Konrad und dann bin ich wieder abgemeldet und sie diskutieren weiter.

„Sie haben halt Fantasie!“

Ich drehe mich um und trete den Weg zurück an den Schreibtisch an und höre nur noch so Wortfetzen wie:“Die Linienführung lässt erahnen, dass ihre kreative Ader in der frühkindlichen Phase noch nicht ganz ausgeprägt war“ und: „thematisch noch nicht ausgereift, aber in der Umsetzung sind gute Ansätze zu erkennen“. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder verzweifeln soll, also schüttele ich nur verwundert den meinen Kopf. „Sie haben halt Fantasie!, murmele ich beruhigend so vor mich hin und mir schwant, dass demnächst sämtliche meiner Belegexemplare von diesem Literaturkreis durchdiskutiert werden.

Was vollkommen ok ist, ich muss nur unbedingt darauf achten, dass meine Bande daraus kein Youtube-Format macht, dann ist meine Kariere als Illustratorin nämlich hinüber.

Hallo! Ich bin Ilka und ich gestalte mit Leidenschaft kunterbunte Illustrationen für Verlage, Firmen und Werbekunden. In meiner Blogserie „Ein illustrieres Leben mit Kaktus und Co.“, erzähle ich über lustige Dinge aus meinem Illustratorenalltag. Immer dabei meine kleine verrückte Schreibtischbande.

Ilka – Illustratorin  
Knubbel und Konrad – Das lustige Kakteengespann
Mats – Mein munteres Eichörnchen
Eckbert – Unser stiller, aber liebenswürder Spinnenfreund