Folge 4 – Monster haben keine 4 Augen

 

Ich arbeite gerade an Monstern. Süßen Monstern in jeglichen Formen. Meine kleinen Kakteenmonster auf meinem Arbeitstisch schlummern gerade und schnorcheln so vor sich hin. Mats ist unterwegs und Eckbert hängt wie immer über dem Schreibttisch und tut … nichts. Ob er auch schläft ist nicht zu erkennen, aber alles ist still und ich kann in Ruhe arbeiten. Ich liebe diese Stunden, in denen niemand anruft, keiner an der Tür klingelt und ich einfach zeichnen kann. Da kommt man oft in so einen Flow-Zustand, wo man die Zeit vergisst.

 

Ich zeichne gerade an einem grünen Monster, süß und knuddelig soll es werden, doch dann piekst es mich auf einmal am Arm und ich schrecke zusammen. „Mensch, Knubbel! Du sollst Dich doch nicht immer so anschleichen!“ Knubbel schaut mich mit seinen Kulleraugen kurz entschuldigend  an und meint dann:“Ich wollte doch nur deine Zeichnung genauer anschauen.“

 

Man will nicht meinen, wie neugierig Kakteeen sind. Na ja, ob alle Kakteen neugierig sind, weiß ich nicht, aber meine zwei hier auf alle Fälle! Damit Knubbel freie Sicht hat, ziehe ich meinen Arm etwas weg und lasse den kleinen Kaktus meine Monsterzeichnung begutachten.

 

„Da ist ein Auge zuviel!

 

Ich bin es ja gewöhnt, dass irgendwer auf meinem Schreibtisch immer etwas zu meinem Illustrationen zu sagen hat. Meistens haben meine Kakteen ein anderes Farbverständnis als ich oder sie meckern an den Proportionen rum. „Da ist ein Auge zuviel!“, meint Knubbel auf einmal und reisst mich aus meinen Gedanken. Ich schaue ihn an:“Das ist ein Monster, da ist es egal, wie viele Augen man zeichnet.“ „Nein!“, entgegnet Knubbel:“Ein Monster hat keine vier Augen! Wenn dann ein Auge, zwei oder drei Augen, aber keine vier!“ „Knubbel, wie viele echte Monster hast Du in deinem Leben eigentlich schon gesehen?“, frage ich ihn und hoffe, dass er merkt, welchen Unsinn er gerade redet.

„Noch keins, aber das weiß doch wirklich jeeeedeer, dass Monster keine 4 Augen haben!“, sagt Knubbel voller Überzeugung und schreit dann laut los:“Kooooonrad!“ Ich schrecke zusammen und Konrad wird aprupt aus dem Schlaf gerissen. „Was ist denn los?“, fragt er schläfrig.

 

Konrad ist ja eher besonnen und geht logisch an Dinge heran.

 

„Unsere Illustratorin hier, zeichnet gerade ein Monster mit vier Augen und meint, das wäre richtig!“, sagt Knubbel empört zu Konrad und wirft mir dabei einen vielsagenden Blick zu. Normalerweise ist Konrad ja eher besonnen und geht logisch an Dinge heran, von daher erwarte ich, dass er Knubbel nun daraufhinweist, wie abwegig seine Behauptung ist. Konrad hüpft nun auch an mein Zeichentablet heran und schaut auf mein gezeichnet Monster und sagt dann allen Ernstes:“Das würde ich aber nicht so lassen, es gibt wirklich keine Monster mit vier Augen!“.

 

„Leute, woher habt Ihr die Annahme, dass es keine Monster mit vier Augen gibt? Ihr habt doch noch nieeee nimmer nicht in eurem Leben ein Monster gesehen! Weil es keine ECHTEN Monster gibt?!“, entgegne ich jetzt schon leicht genervt. „Aber jeder weiß das! Monster haben ein Auge, manchmal zwei oder drei Augen. Es gibt sogar Monster mit 5 Augen, aber niemals mit 4 Augen! Das wäre doch dann viel zu symentrisch. Sowas passt nicht zu einem Monster!“, behauptet Konrad steif und fest. „Es gibt also Monster mit 5 Augen, aber nicht mit 4, weil das zu symentrisch ist? 2 Augen sind aber ok oder was?“, frage ich nochmal nach. Meine Kakteen nicken beide gleichzeitig zustimmend, als wären dies eindeutige Fakten und schauen mich dabei an, als würde ich schwer von Begriff sein.

Ich versuche es nochmal:“Wenn es aber doch keine echte Monster gibt, dann kann man sie doch zeichnen wie man will! Dann gibt es keine Regeln, wie was zu sein hat, denn es sind reine Phantasiewesen!“.

“Wenn DU dich zum Gespöt der Leute machen möchtest, BITTE!“

Knubbel und Korad schauen sich kurz an, verdrehen ihre Augen und seufzen dann laut. Dann sagt Knubbel zu mir:“Wenn DU dich zum Gespöt der Leute machen möchtest, BITTE! Aber sag´ nachher nicht, wir hätten dich nicht gewarnt!“. Beide drehen sich um un hüpfen wieder auf ihren Platz auf meinem Schreibtisch und damit ist die Diskussion, jedenfalls für meine Kakteen, beendet.

Ich bleibe ratlos zurück und schaue mir mein Monster noch einmal an. Ich seufze auch laut und ändere dann mein knuddeliges Monster mit vier Augen zu einem einem dreiäuigen Monster ab. Na ja, mit drei Augen sieht ein Monster ja auch ganz süß aus, oder?

 

Hallo! Ich bin Ilka und ich gestalte mit Leidenschaft kunterbunte Illustrationen für Verlage, Firmen und Werbekunden. In meiner Blogserie „Ein illustrieres Leben mit Kaktus und Co.“, erzähle ich über lustige Dinge aus meinem Illustratorenalltag. Immer dabei meine kleine verrückte Schreibtischbande.

Ilka – Illustratorin  
Knubbel und Konrad – Das lustige Kakteengespann
Mats – Mein munteres Eichörnchen
Eckbert – Unser stiller, aber liebenswürder Spinnenfreund

Die nächste Folge von „Ein illustriertes Leben mit Kaktus und Co.“ erscheint in vier Wochen.

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